Thieu/ September 29, 2017/ Beautiful, Hyper Motion, Mobilität, Pioneers, The Opinion/ 0Kommentare

Und plötzlich umarmen alle das Elektroauto der Zukunft. Die IAA Motor Show in Frankfurt hat gezeigt, wohin es bei der Elektrifizierung und Vernetzung des Autos gehen wird. Bei den grossen deutschen Konzernen stehen hohe Investionen an, Tesla verdient zwar noch kein Geld, hat das aber schon hinter sich. Und kann jetzt Vollgas geben. Die anderen müssen auf eine gelungene Digitalisierung und Schützenhilfe seitens der Politik hoffen. Oder anders gesagt: First Mover rules!

Von Matej Mikusik

Tesla war vor Monatsfrist einer der grossen Abwesenden an der Frankfurter Automobilmesse, wenn auch nicht der einzige. Und trotzdem war Tesla überall spürbar. Erst durch die Vollgas-Strategie von Elon Musks Elektro-Konzern kam Bewegung in die Autoszene – und ein gewisser Druck auf die deutschen Autobauer. Zuerst war da nichts. Jetzt liefern sich Mercedes, BMW, VW und Audi ein Rennen um das coolste und beste Electric Vehicle (EV) Konzept und die neuste, aufregendste Technologie.
So hat etwa Matthias Müller, CEO des Volkswagen-Konzerns, versprochen, 50 rein elektrische Autos bis 2025 auf den Markt zu bringen – plus 30 Hybride. Bis 2030 sollen es sogar 300 elektrifizierte Fahrzeuge sein, was Investitionen von gegen 75 Milliarden Franken nötig machen wird. «Das wird das grösste Elektrifizierungs-Projekt in der Geschichte des Automobilbaus», sagte Müller bei der Eröffnung der IAA.
Natürlich mussten die anderen nachziehen. Daimler Boss Dieter Zetsche liess verlauten, dass das ganze Mercedes-Portfolio bis 2022 auch elektrifiziert sein wird. Smart soll es schon bis 2020 sein. Nicht anders tönt es bei Harald Krüger, dem Chef von BMW: «Unsere erste Priorität im Unternehmen ist jetzt die elektrische Mobilität.»

Tesla hat einen grossen Vorsprung. Auch finanziell durch bereits schon getätigte Investitionen.

Das ist alles sehr vielversprechend und innovativ. Nur: Tesla hat das schon alles. Plus die Autopilot-Software für das selbstfahrende Auto. Plus bald das grösste Batterie-Herstellwerk der Welt. Plus die allumfassende Plattform dazu mit den Super-Chargern, der Hausbatterie, den Solarzellen (sehen wie Dach-Schindeln aus), plus noch ein paar Innovationen, die noch vorgestellt werden. Vor allem aber hat Tesla sehr viele Sympathien und eine hohe Glaubwürdigkeit bei den Kunden.
Das wird teuer
Klar schreibt Tesla noch rote Zahlen und der Aktienkurs ist mal hopp mal flop. Viele Auto-Experten prophezeien Tesla den Untergang, sobald die Deutschen loslegen. Aber so einfach ist das nicht. Die deutschen Autobauer stehen erst noch vor den riesigen Milliarden-Investitionen. Tesla hat die schon gemacht und entsprechende Marktanteile aufgebaut – alle sind nun gespannt auf den Markterfolg des Volks-Tesla, das Model 3. Wer weiss, vielleicht wird das ja der Killer des herkömmlichen, treibstoff-betriebenen Automobils.
Zudem kommen auch Opel (Ampera-e) oder Honda (Urban EV) mit cleveren Elektro-Autos und Konzepten auf den Markt. Das sind nur zwei Beispeile von vielen. Um sich da dann zu behaupten, müssen die «Neueinsteiger» wohl bei der Marge Abstriche machen, um die Verkäufe anzukurbeln. Tesla ist da – wiederum – ne Nasenlänge voraus. Das einholen wird nicht nur teuer, sondern sehr teuer.
Und nicht nur beim Auto an sich, auch beim Vertriebskonzept. Was BMW, Audi und Mercedes erst noch testen, hat Tesla bereits. Wiederum. Showroom-Stores in den Stadtzentren. Weltweit – als wäre es in der Autobranche die normalste Sache der Welt.
Politik mischt mit
Als treibender Kostenfaktor kommt die politische Komponente hinzu. Länder wie Frankreich und Grossbritanien wollen ab 2040 alle nicht-elektrifizierten Autos von den Strassen verbannen. Auch das treibt den Konstendruck für die Autobauer im Wandel der Digitalisierung. Auch hier wieder: Tesla wäre bereit. Locker. Die anderen Auto-Chefs sind nicht alle «happy» mit dem politischen Fingerzeig der Nationen. Carlos Tavares, CEO von PSA (Peugeot, Citroën, Opel) kritsierte die politische Initiative scharf. Das sei eine unwillkommene Einmischung der Politik und verändere das Geschäftsmodell grundlegend.
Ein weiteres Problem: Die Politik und Verwaltungen sind noch nicht bereit für die intelligenten, elektrischen Autos. Sei es bei den Ladestationen oder beim Strassenbau: Damit intelligente Autos wie etwa der Mercedes Concept EQA durchstarten können, muss noch ein kräftiger, finanzieller Ruck durch die ganze Automotive-Szene.

Mit dem Concept EQA zeigte Mercedes-Benz auf der IAA, wie sich die EQ-Strategie in die Kompaktklasse übertragen lässt. Der Elektro-Athlet besitzt je einen Elektromotor an der Vorder- und Hinterachse mit einer Systemleistung von über 200 kW. Welches Fahrprogramm gewählt wurde, zeigt das Concept EQA mit einem einzigartigen virtuellen Grill. In Kombination mit der intelligenten Betriebsstrategie erzielt das Concept EQA, bis zu 400 km Reichweite.

Fotos und Grafiken made by Mercedes-Benz, Daimler AG und Tesla.
——–
Matej Mikusik – Founder etailment.ch, Retail-Guru & Car-Enthusiast
Share this Post

Hinterlasse eine Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*